Nach rund 25 Jahren engagierter Arbeit hat sich der Jugendbeirat Neuwied als etabliertes Gremium für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen fest in der kommunalen Landschaft verankert. Von Beginn an setzte der Jugendbeirat bewusst auf Inklusion und Diversität, um wirklich allen jungen Menschen – unabhängig von individuellen Fähigkeiten, Beeinträchtigungen oder ihrer schulischen Herkunft – eine Stimme zu geben.
Ein zentrales Instrument, um Inklusion sicherzustellen, ist das besondere Wahlverfahren. Durch dieses Verfahren werden Kinder und Jugendliche aus Förderschulen, sogenannten Schwerpunktschulen, nicht nur einbezogen, sondern erhalten auch eine anteilig höhere Anzahl von Sitzen im Jugendbeirat. Damit werden sie strukturell gestärkt und können ihre Interessen, Bedarfe und Perspektiven in die kommunalpolitische Diskussion einbringen.
Folgende Schulen und Einrichtungen sind an diesem Modell beteiligt:
• Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen „Kinzingschule“
• Landesschule für Gehörlose und Schwerhörige (Neuwied)
• Landesschule für Blinde und Sehbehinderte (Neuwied)
• Janusz-Korczak-Schule (Schule für körperliche und motorische Entwicklung in Neuwied)
• Carl-Orff-Schule (Schule mit dem Förderschwerpunkt ganzheitliche Entwicklung)
• CJD Berufsbildungswerk (BBW) Neuwied, das Jugendlichen mit unterschiedlichsten Unterstützungsbedarfen eine berufliche Perspektive ermöglicht.
Die Stadt Neuwied stellt bei Bedarf die erforderlichen finanziellen Mittel bereit, um die Teilhabe der Jugendlichen aus diesen Schulen zu gewährleisten. Konkret bedeutet dies:
• Sicherung der Teilnahme an Sitzungen: Fahrtkosten oder benötigte Assistenzangebote werden finanziert, um Barrieren abzubauen.
• Barrierefreier Transport bei Fahrten: Bei Ausflügen, Exkursionen oder Studienreisen des Jugendbeirats wird darauf geachtet, dass alle Jugendlichen mitgenommen werden können – hierfür werden angepasste Transportmittel oder Begleitstrukturen bereitgestellt.
• Begleitung bei Seminaren und Bildungsreisen: Fachkräfte, Assistenzen oder pädagogische Betreuungspersonen werden finanziert, um sicherzustellen, dass alle Jugendlichen sich aktiv einbringen, von Bildungsangeboten profitieren und ihre Kompetenzen weiterentwickeln können.
Eine pädagogische Fachstelle begleitet den Jugendbeirat durchgängig. Sie fungiert als Bindeglied zwischen den unterschiedlichen Lebenswelten der Jugendlichen, vermittelt bei Verständnisschwierigkeiten, sorgt für ein wertschätzendes und inklusives Miteinander und stärkt die Gruppe in ihrer demokratischen Arbeitsweise. Diese professionell unterstützte, wertschätzende Kommunikation schafft ein Klima, in dem sich alle Beiratsmitglieder angenommen fühlen, ihre Ideen frei äußern können und an der Gestaltung des kommunalen Raumes aktiv partizipieren.
Durch diese klaren Strukturen, die finanzielle Förderung und die pädagogische Begleitung ist der Jugendbeirat Neuwied seit einem Vierteljahrhundert ein gelungenes Beispiel für gelebte Inklusion in der kommunalen Jugendbeteiligung. Die konsequente Einbindung von Kindern und Jugendlichen aus Förderschulen, die Bereitstellung notwendiger Ressourcen und die professionelle Unterstützung machen den Jugendbeirat sicherlich zu einem Gute-Praxis-Modell für andere Kommunen, die ihre Jugendbeteiligung inklusiv und zukunftsfähig gestalten möchten
