Bereits einige Jahre vor der Aufstellung des ersten Aktionsplans in Brühl (2023-2026) engagierte sich die Stadt für eine inklusive Stadtentwicklung, die Kinderinteressen angemessen berücksichtigt. Im Jahr 2016 gab der Ausschuss für Verkehr und Mobilität den Startschuss für die Umsetzung der Projekte „Besitzbare Stadt“ und „Bespielbare Stadt“ nach dem preisgekrönten Vorbild der Stadt Griesheim in Hessen.99 Gemeinsam ist beiden Projekten die Abkehr von der „autogerechten Stadt“ und der Fokus auf Bewohner_innen, die sich wesentlich zu Fuß durch die Stadt bewegen. Erwachsene Berufstätige prägen mit ihren Bedürfnissen das Bild einer automobilen Gesellschaft. In politischen Entscheidungsgremien bilden ihre Erfahrungen den Hintergrund bei der Stadtgestaltung und -entwicklung.
Das Konzept der „Bespielbaren Stadt“ sieht die Schaffung von dezentralen Spielmöglichkeiten für Kinder vor. Das Konzept der „Besitzbaren Stadt“ widmet sich den Sitz- und Ruhemöglichkeiten insbesondere für Senior_innen. Während in Griesheim 2009 die bespielbare Stadt entwickelt wurde und 2015 die erste besitzbare Stadt hinzukam, ist Brühl die erste Stadt, die beides parallel entwickelt und damit auch Synergieeffekte genutzt hat. Beide Projekte starteten in einer ersten Phase in ausgewählten Entwicklungsgebieten der Innenstadt. Aufgrund der Projekterfolge wurden zwei Jahre später auch Brühler Außenbezirke einbezogen.
Im Zentrum steht ein Perspektivenwechsel in der Stadtplanung, der durch die intensive Beteiligung von Kindern und Senior_innen ermöglicht wird. Statt sich überwiegend an den Bedarfen von berufstätigen Erwachsenen zu orientieren, sollen auch die Spielbedürfnisse und Erlebniswünsche von jungen Menschen und die besonderen Bedarfe älterer Menschen zum Zuge kommen.
Am Anfang des Entwicklungsprozesses in Brühl stand die partizipative Ermittlung der Kinder- und Seniorenwege durch Befragungen und Gespräche in Kindergärten, Horten und Schulen bzw. in Alteneinrichtungen und Kirchengemeinden. Die am meisten genutzten Wege wurden kartiert, gute und schlechte Erfahrungen festgehalten, vorhandene Ressourcen (Sitzmöglichkeiten, Spiel- und Verhaltensangebote) ermittelt und Probleme identifiziert (Querungen, Sitzhöhen etc.). Schließlich wurden Spiel- und Sitzobjekte ausgewählt und gemeinsam die Möglichkeiten für eine generationsübergreifende Nutzung geprüft.
Die konkreten Objekte, wie z.B. bespielbare Naturmaterialien (z.B. Findlinge), kommunikative Spielgeräte in Nischen oder Sitzobjekte für verschiedene Aufenthaltsbedürfnisse vom kurzen Verweilen bis zu geselligen Treffpunkten, überzeugen als einfache und kostengünstige Lösungen, die zur Nachahmung einladen. Beobachtungen und Nachbefragungen sprechen für diesen Ansatz einer generationsübergreifenden Stadtplanung, die nicht zuletzt Kinderinteressen stärkt.
