30 Jahre Child Friendly Cities Initiative: Kinderrechte im Alltag stärken

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In den 1990er Jahre hatten Weltkonferenzen Hochkonjunktur: Klima und Nachhaltigkeit, Ernährung, Menschenrechte, Frauenrechte – in Rio, Wien, Peking, Rom beschlossen die aus dem Ost-West-Konflikt befreiten Staaten Vereinbarungen, die zu einem besseren Zusammenleben auf dem Planeten führen sollten.

Auch die UN-Bevölkerungskonferenz im Frühjahr 1996 in Istanbul „Habitat II“ reihte sich hier ein. Das massive Bevölkerungswachstum und die Verstädterung forderten Antworten von den Vereinten Nationen. UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, nutzte die Gelegenheit, die noch junge Kinderrechtskonvention mit dem Programm der Habitat II zu verknüpfen und rief die „Child Friendly Cities Initiative“ (CFCI) ins Leben. Städte sollten „lebenswerte Orte für alle“ sein – und das Wohlergehen von Kindern zum Maßstab für gute, demokratische Stadtentwicklung werden. 

In diesem Jahr wird die Initiative 30 Jahre alt. Was damals als abstrakte Idee begann, ist heute vielerorts gelebte Praxis und hat das Aufwachsen von vielen Millionen Kindern positiv beeinflusst. Die 1989 verabschiedete UN-Kinderrechtskonvention wird nämlich besonders dann wirksam, wenn Kinderrechte in kommunalen Entscheidungen und Entwicklungen mitgedacht und mit Kindern und Jugendlichen- gemeinsam gestaltet werden. In Deutschland ist CFCI als die Initiative Kinderfreundliche Kommunen etabliert. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht einzelne Leuchtturmprojekte, sondern die Verankerung von verlässlichen und nachhaltigen Strukturen: Beteiligung, Schutz, gerechte Zugänge zu Angeboten – und die Frage, ob Maßnahmen auch bei den Kindern ankommen, die Unterstützung am dringendsten brauchen.

2019: Child Friendly Cities Summit in Köln.

Ein starkes internationales Signal für die CFCI setzte der erste internationale Child Friendly Cities Summit in Köln vom 15. bis 18. Oktober 2019, ausgerichtet von UNICEF und der Stadt Köln. Dort kamen Delegationen mit Stadtoberhäuptern, Fachleuten sowie Kindern und Jugendlichen aus aller Welt zusammen. Sie teilten Erfahrungen und diskutieren über neue Wege zur lokalen Umsetzung von Kinderrechten. Zum Abschluss unterzeichneten mehr als 100 Städte und Gemeinden die Kölner Bürgermeister-Erklärung („Cologne Mayors’ Declaration“) – getragen vom Anspruch, konkrete, nachhaltige und messbare Fortschritte für Kinder zu beschleunigen. Beim Summit waren Delegationen aus USA, dem Iran und Israel gleichzeitig anwesend und gemeinsam aktiv. So fragil die internationalen Beziehungen heute sind – der Einsatz für Kinder muss uns immer wieder zusammenführen und alle politischen Grenzen überwinden lassen.

Dr. Sebastian Sedlmayr, UNICEF Deutschland