Gefördert vom

Kinderbeteiligung – ein wichtiger Schritt zur kinderfreundlichen Kommune

Ein Plädoyer für Kinderbeteiligung von Ulrike Kieninger

Kinderbeteiligung lohnt sich!

Kinder sind weder besser noch schlauer als Erwachsene, sie sind einfach anders. Sie sehen die Welt aus ihrer Augenhöhe, einer anderen Perspektive, als die der Erwachsenen.

Sie sind Experten in eigener Sache, kennen ihr Umfeld, wissen wo und was sie gerne machen, was ihnen nicht gefällt und womit sie Probleme haben.

 

DOWNLOAD als PDF

  • Kinderbeteiligung lohnt sich! Kinder sind weder besser noch schlauer als Erwachsene, sie sind einfach anders. Sie sehen die Welt aus ihrer Augenhöhe, einer anderen Perspektive, als die der Erwachsenen. Sie sind Experten in eigener Sache, kennen ihr Umfeld, wissen wo und was sie gerne machen, was ihnen nicht gefällt und womit sie Probleme haben.

  • Kinder sind wertvolle Partner! Kinder haben gute und oft kreative Ideen, sie haben Fantasie und sind meistens weit weniger vorbelastet als wir Erwachsenen. Das macht sie zu wertvollen Partnern bei der Stadt-,  Spielplatz- oder Schulhofplanung, aber auch im Alltag von Kitas, Schulen und anderen Einrichtungen, die mit Kindern arbeiten. Dieses wertvolle Expertenwissen, sollten sich Planer_innen, Erwachsene, die mit Kindern arbeiten sowie die politischen Entscheidungsträger_innen in den Kommunen nicht entgehen lassen.

  • Kinderbeteiligung bringt gute Ergebnisse! Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass gute Ergebnisse erzielt werden, wenn Kinder und Jugendliche zum Beispiel an der Planung von Frei- und Spielflächen, Schulhöfen oder Kitas beteiligt werden. Die Ergebnisse orientieren sich an den direkten Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer und werden gut angenommen. Hinter den manchmal fantasievollen Ideen der Kinder stecken oft einfache Bedürfnisse. So steckt hinter dem Wunsch nach einem Drachen vielleicht nur das Bedürfnis nach einem spannenden, nicht alltäglichen Spielgerät. Und was spricht dagegen auf einem Dinosaurier anstatt auf einem Klettergerüst zu klettern oder das Trampolin vor dem Basketballkorb zu platzieren, dass man den Ball mit Schwung in den Korb werfen kann?

  • Kinderbeteiligung hat viele positive Nebeneffekte! Die Akzeptanz des neu Geschaffenen ist hoch, wenn die direkt Betroffenen beteiligt wurden, was auch zu einem pfleglicheren Umgang führt und Vandalismus entgegenwirkt. Auch die Tatsache, dass in der Regel nicht alle Wünsche erfüllt werden können, führt weniger zu Unzufriedenheit, als ohne Beteiligung der Kinder und Jugendlichen. Voraussetzung dafür ist, dass die Ideen der Kinder ernst genommen und geprüft werden, dass Transparenz geschaffen wird, um verstehen zu können, warum „mein persönlicher Wunsch“ nicht umgesetzt wird. Nicht selten ergeben sich aus Kinderbeteiligungsprozessen weitere Projekte oder andere Effekte. So zum Beispiel die Anschaffung einer Spielkiste auf dem Spielplatz, die ehrenamtlich betreut wird, eine Verschönerungs- oder Müllbeseitigungsaktion, der Gartenbauverein hilft eine Kräuterspirale anzulegen, die Firma nebenan spendiert ein Spielgerät oder Polizisten oder Pfarrer_innen werden mit der Kinderbeteiligung auf einmal zu „Freund_innen“. Kinderbeteiligung verschafft auch Verständnis füreinander und für die gegenseitigen Bedürfnisse. Wer sich kennt und sich sympathisch findet, ruft nicht gleich die Polizei, wenn es mal laut wird.

  • Kinderbeteiligung ist gelebte Demokratie! Wenn Kinder frühzeitig an den sie betreffenden Angelegenheiten beteiligt werden, lernen sie nebenbei, dass es verschiedene Interessen und Sichtweisen gibt, dass die eigene Sicht nur ein Teil der Wahrheit ist, dass es sich lohnt, miteinander zu reden und dass Kompromisse oft eine gute Lösung sind. Zudem werden sich Kinder, die frühzeitig erfahren haben, dass sich durch Engagement etwas bewirken lässt, auch eher als Jugendliche und Erwachsene wieder einbringen. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass sich Kinder, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, eher nicht wieder engagieren werden. Folglich tut man gut daran, Kinder als Partner ernst zu nehmen.

  • Kinderbeteiligung muss nicht immer viel kosten! Auch der finanzielle Rahmen für die Umsetzung der Ergebnisse aus der Kinderbeteiligung bleibt in der Regel überschaubar. Kinder sind oft sehr realistisch in ihren Wünschen und verstehen, dass Manches nicht geht, weil es zu teuer ist. Oft haben Kinder Wünsche und Ideen, um die man sich einfach „nur“ kümmern muss, aber nahezu kostenneutral sind, so zum Beispiel der Rückschnitt von Büschen, um auf die Straße sehen zu können, die Verbesserung der Ampelschaltung oder die Nachfrage bei der Eisdiele, ob das Eis für Kinder etwas billiger verkauft werden kann. Ausdrücklich erwähnt werden muss aber, dass selbstverständlich Ressourcen in Form von Stellenanteilen und finanziellen Mitteln für die Durchführung von Beteiligungsprozessen zur Verfügung stehen müssen, um eine regelmäßige und dauerhafte Kinder- und Jugendbeteiligung gewährleisten zu können.

  • Kinderbeteiligung verändert die Sicht der Erwachsenen! Wenn Erwachsene sich ernsthaft auf Kinder einlassen, können sie ihre Sichtweise verändern. So stellen sie beispielweise fest, dass der Gang durch die Stadt bei einer Augenhöhe von 1,40 m ein anderer ist, als bei Erwachsenen: Treppengeländer werden zu Kletterstangen, Mäuerchen zu Treffpunkten, Büsche zu Verstecken und Zigarettenautomaten zu Experimentierobjekten. Mülltonnen verwandeln sich in Sichtbarrieren, kleine Schlaglöcher zu Stolperfallen, den Gehweg querende Autos zur Garageneinfahrt werden zur Unfallquelle, stark befahrene Straßen zu unüberwindbaren Barrieren.

Fazit

In Anbetracht der vielen Vorteile, die Liste ließe sich fortsetzen, darf sich Kinderbeteiligung nicht auf Projektarbeit beschränken. Sie muss systematisch verankert werden, dass sie personenunabhängig und regelmäßig durchgeführt werden kann. Dafür braucht es einen politischen Willen und eine/n „Kümmerer_in“, der/die sich dem Thema annimmt.

Kinderbeteiligung ist ein Querschnittsthema und betrifft nahezu alle Bereiche, deshalb ist eine gewisse Koordination, an welcher Stelle auch immer, unumgänglich.

 

Autorin

Ulrike Kieninger, Stadt Stuttgart, Jugendamt, zuständig für Kinderbeteiligung, Sachverständige Kinderfreundliche Kommunen e.V.