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Child- and Youth Friendly Cities – Workshop in Kiew

Kurzbericht zur Teilnahme des Professors Dr. Waldemar Stange an einer Veranstaltung für kinderfreundliche Kommunen in der Ukraine (Kiew)

Vom 9. bis 10.8.2018 fand in Kiew ein Workshop statt, der gemeinsam von Unicef Ukraine und dem ukrainischen Landesjugendrat organisiert und verantwortet wurde. Es handelte sich um das Training der ersten Gruppe von Gemeinden, die an der Initiative Child- and Youth Friendly Cities teilnehmen.

 

 

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Eröffnet wurde die Veranstaltung mit unterschiedlichsten Statements zum Thema, u.a. von Unicef, den Ministerien für Sozialpolitik, für Regionalentwicklung, für Jugend und Sport der Ukraine , dem allukrainischen Verband der lokalen Selbstverwaltungsorgane „Verband der ukrainischen Städte“ und dem nationalen Jugendrat der Ukraine. Weiterhin ging es um die Verfahren und Prinzipien im Prozess des Statuserwerbs (Situationsanalyse), die Entwicklung der Aktionspläne, das Monitoring und die Evaluierung (Kriterien für die Gewährung des Status) und die Präsentation von Best-Practice-Beispielen durch die Vertreter_innen der Städte und Gemeinden der Ukraine.

 

  • Deutscher Beitrag über Möglichkeiten der Beteiligung in den Kommunen

Eine zentrale Einheit am zweiten Tag bildete der Beitrag von Professor Dr. Waldemar Stange und Jan Stange von der Leuphana Universität Lüneburg. Thematisch ging es um die Möglichkeiten der Partizipation von Kindern und Jugendlichen im Rahmen der Gestaltung einer kinderfreundlichen Kommune. Professor Stange präsentierte diesen wichtigen Baustein der Veranstaltung mit einem Mix aus Filmausschnitten und interaktiven Übungen. Zunächst ordnete er das Thema in aller Kürze begrifflich und systematisch. Dann folgte eine Dia-Show mit Best-Practice-Modellen aus Deutschland. Auf besonderes Interesse bei den Teilnehmenden stießen die Beteiligungsformate – Strategien und Methoden – die sich hier zu Lande herausgebildet haben. Die von Jan Stange medial aufbereiteten Beteilungsformate reichten von der Projektmethode bis hin zu repräsentativen Formaten. Insbesondere die Einbindung von Kinder- und Jugendparlamenten wurde sehr positiv aufgenommen. In der Ukraine stehen derzeit Überlegungen an, landesweit – zumindest – Jugendräte einzuführen. Professor Stange zog in diesem Zusammenhang eine aktuelle deutsche Studie heran, die er vor kurzem zusammen mit Prof. Dr. Roland Roth für den deutschen Staatenbericht an die Vereinten Nationen (UN) erstellt hat. Hilfreich waren die Ergebnisse der Studie, mit denen die strukturellen Voraussetzungen hervorgehoben wurden, die für eine effektive Arbeit mit diesem Format notwendig sind.

 

  • Zwei Länder – eine Mission

Die Vielfalt der Beteiligungslandschaft in Deutschland hinterließ bei den Teilnehmenden einen großen Eindruck – obwohl wir in unseren Kommunen selbst oft genug nicht zufrieden sind – und wurde als wichtige Anregung für die Weiterentwicklung von Partizipationsstrukturen angenommen. Professor Stange stand im Gespräch mit den Teilnehmenden vor der Schwierigkeit, Anregungen und Beispiele auf einen anderen kulturellen und politischen Kontext zu übertragen. Einen großen Unterschied stellt hierbei unsere Gesellschaft dar. Während wir in Deutschland auf eine breite Zivilgesellschaft aufbauen können, mit ihrem großen Anteil an Vereinen und einer langen Tradition von Ehrenamtlichkeit (usw.), ist diese in der Ukraine praktisch nicht sichtbar, weil nahezu alle Bereiche von staatlichen Strukturen durchzogen sind. Professor Stange war es besonders wichtig, bei seinen Entgegnungen nicht in einen Duktus der „Besserwisserei“ zu verfallen, sondern Möglichkeitsräume zu öffnen, die selber gestaltet werden können und die auf moderate Weise Übertragungsmöglichkeiten aufzeigen. Dass dieser Spagat offenbar gelungen ist, zeigten die vielen Fragen und intensiven Diskussionen. Dabei haben die Teilnehmenden auch erste spannende ukrainische Beispiele in die Debatte geworfen.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Inhalte und das ungewöhnliche Präsentationskonzept des Beitrags aus Lüneburg bei den Teilnehmenden auf große Begeisterung stießen und zu vielen Fragen und zur Diskussion anregte. Ein überwältigender Schluss-Beifall bestätigte den Erfolg.

 

  • Fortsetzung und Vernetzung

Alle Beteiligten waren sich einig, dass diese Kooperation fortgesetzt werden sollte und dass vor allem auch die deutschen Erfahrungen in Bezug auf Qualifizierungen für die Akteure der kinderfreundlichen Kommune und der Partizipation von Kindern und Jugendlichen von besonderem Interesse seien, zum Beispiel Prozessmoderator_innen-Trainings, Qualifizierung von kommunaler Verwaltung, Jugendtrainings, Trainerausbildungen. Der ukrainische Landesjugendrat hat hier bereits erste Initiativen ergriffen.

Die Delegation aus Lüneburg hat die Teilnahme an dieser Veranstaltung von Unicef Ukraine und dem Landesjugendrat nicht nur inhaltlich als lehrreich empfunden, sondern sie war auch überwältigt von der tiefen Gastfreundschaft der Ukrainer_innen und der schönen Stadt Kiew. Die Gastgeber_innen hatten ein vielfältiges touristisches Rahmenprogramm zusammengestellt, das auch die politische Situation im Land aufgriff und den Maidan in seiner historischen Dimension spürbar werden ließ.

 

 

Autor

Prof. Dr. Waldemar Stange, Leuphana Universität, Lüneburg,

Sachverständiger der Kinderfreundlichen Kommunen e.V.