Aktuelle Meldung

19.04.2016

Beteiligung geflüchteter Kinder

Gelingensbedingungen und Hindernisse.

(Die folgenden Punkte sind die Ergebnisse der Themengruppe "Beteiligung geflüchteter Kinder" auf dem Bundesnetzwerktreffen Kinder- und Jugendbeteiligung vom 11. März 2016, Nürnberg)

  • Beteiligung läuft in Erstaufnahme-Einrichtungen, wenn nur wenige Sprachkenntnisse da sind, vor allem non-verbal und spielerisch. Gute Erfahrungen hat das Spielmobil "Spieltiger" aus Hamburg damit gemacht (Ansprechpartnerin: Laura mittenzwei, Spieltiger e.V.).
  • Eltern sollten eng mit eingebunden werden, um Vertrauen zu schaffen (was machen die mit unseren Kindern?) und ggf. Bedenken (dürfen sich Kinder so frei bewegen und selbst entscheiden?) zu überwinden.
  • In Erstaufnahme-Einrichtungen sollte es immer einen "neutralen" Ort geben, wo sich Mütter und Kinder treffen, wo man jederzeit kommen und gehen kann.
  • Es lohnt sich immer auch, sich den älteren Jugendlichen, insbesondere der jungen Männer mit anzunehmen, da sie Teil der Gesamtgruppe sind, so Aggressionen spielerisch abbauen und Sprachmittler sein können.
  • Beteiligungsaktionen müssen an die Lebenswelt von geflüchteten Kindern eng anknüpfen, niedrigschwellig und überschaubar sein. Bewährt haben sich gemeinsame Koch- oder Backprojekte (Bsp. Kinderbeirat Wolfsburg) von deutschen und geflüchteten Kindern oder Handarbeitsgruppen.
  • In den Erstaufnahmeinrichtungen prägen die großen Ängste zum Bleiberecht und zur Aufenthaltsdauer alle geflüchteten Menschen. Eine Zusammenarbeit kann sich nur entwickeln, wenn man auch Gesprächszeit und Hilfe dafür einplant.
  • Geflüchtete Kinder haben oft nicht gelernt, sich zu beteiligen. Sie tun dies oft "als Gefallen" gegenüber den Erwachsenen. Dringend notwendig ist deshalb, genau nachzufragen, was sie wirklich interessiert. Am Beispiel der von den Kindern gewünschten Garderobenhaken wird deutlich, dass es oft um Alltägliches geht.
  • Für die erfolgreiche Beteiligung ist der Aufbau einer mittel- bis längerfristigen Vertrauensbeziehung notwendig. Verlässlichkeit und Berechenbarkeit ist für die geflüchteten Kinder entscheidend. Schule hat hier einen besonderen Auftrag, dieses Vertrauen herzustellen.
  • Beteiligung kann gut in Abstimmung mit Streetworkern passieren, sie können vor Ort mit kleinen separaten Gruppen arbeiten.
  • Beteiligungs- und Freizeitaktionen werden von den geflüchteten Kindern nur am Wochenende und in Ferienzeiten angenommen, sonst sind sie über die Schulen und ihre Unterkunft in der Regel verplant.
  • Beteiligung braucht entsprechende Räumlichkeiten: ein Raum, der für Begegnung und Freizeit der Kinder vorgesehen ist (Schutz). Dazu muss mit der Heimleitung und anderen Schlüsselpersonen gesprochen werden.
  • In Bad Tölz wurde ein erfolgreiches Projekt mit geflüchteten Kindern zur Gestaltung eines Hinterhofs durchgeführt. (Ansprechpartner: Dorothea Bigos + Andrea Grundhuber (Stadträtin))
  • Gelingen kann die Beteiligung nur, wenn sich die Moderator_innen selbst mit ihren interkulturellen Fähigkeiten und ihren Hemmungen und Vorbehalten auseinandersetzen. Nur dann können sie geflüchteten Menschen vertrauensvoll begegnen, die selbst oft noch keine Klarheit haben, wie es mit ihrer Lebenssituation weitergehen wird.
  • Dominik Bär berichtet, dass es bisher bundesweit keine Befragungen geflüchteter Kinder gibt. Die Monitoringstelle UN-KRK am Deutschen Institut für Menschenrechte will dazu eine eigene kleine Analyse starten. Er stellt zur Diskussion, ob in den Unterkünften selbstverwaltete Strukturen für Kinder und Jugendliche geschaffen werden können.

Bundesnetzwerk Kinder- und Jugendbeteiligung/ Verein Kinderfreundliche Kommunen 2016